Die Kinder von Katutura


Und wieder ein Tag ohne Regen hier in Namibia. Uns strahlt die heiße Sonne ins Gesicht, während wir durch die staubigen Straßen Katuturas gehen. In meiner Hand habe ich eine Kamera. Die Kamera, die ich bisher aus Respekt zu Hause gelassen hatte. Aus Respekt oder eben auch aus Angst. Davor überfallen zu werden, davor ein falsches Bild bei den Menschen zu hinterlassen. Doch an diesem Samstag möchte ich Bilder mitnehmen. Ich möchte endlich versuchen das festzuhalten, was ich schon auf meinen bisherigen Township-Besuchen erlebt und gesehen habe: Das Miteinander der Afrikaner, das Leben in den Straßen und die fröhlichen Gesichter. Es ist ein kleiner Ausflug gegen alle Regeln. Mit einem öffentlichen Taxi in das ärmste Gebiet der Stadt - bepackt mit Wertgegenständen zu den Mittellosen.
Doch was wir erleben macht deutlich, wie sehr alle Warnungen auf Vorurteilen beruhen.

Wir tauchen ab im Tumult der Straßen. Gehen vorbei an den hölzernen Verkaufsständen der Einheimischen, auf denen kleine Mengen von Obst, Nüssen oder Chipstüten verkauft werden. Vorbei an den Barbershops, den unzähligen Shebeens (Kneipen), vorbei an den Blechhütten.


Zwei kleine Jungen rennen um die Wette. Sie schieben aus Draht gebastelte Rennautos vor sich her. Ein kleines Mädchen spielt mit ihren Geschwistern in einem ausrangierten Einkaufswagen. Als ich von der anderen Straßenseite aus ein Foto mache, lacht sie fröhlich in die Kamera. Sie hebt ihre kleine Schwester ein wenig höher und wartet darauf, dass ich noch einmal auf den Auslöser drücke.


Ein anderes Mädchen beobachtet uns und guckt verlegen herüber. Als ich dann auch von ihr ein Foto mache, sieht man in ihrem Gesicht, wie die Verlegenheit einem Gefühl von Stolz weicht. Für einen kurzen Augenblick steht sie ganz im Fokus der Aufmerksamkeit, dieser Moment ist offensichtlich ihrer.

Viele Kinder sind weniger schüchtern, schon bald kommen immer mehr herbeigelaufen. In Gruppen posieren sie vor der Kamera, kleine Finger greifen aufgeregt nach dem Display, als die Kinder sich selber auf den Fotos wiedererkennen.


Wir gehen weiter und kommen zur Villa Kunterbunt, einem kleinen Kindergarten. Auch hier zeigen sich die Kinder uneingeschränkt begeistert von den Fotos, auf denen sie selber zu sehen sind. Ein kleiner Junge fängt an zu weinen, da ihn seine Mutter auf dem Arm hält und er nicht mit auf das Bild kommt. Immer noch sichtlich verknittert guckt er dann in die Kamera, als ihn seine Mutter schließlich auf den Boden setzt.


Die Entscheidung an diesem Samstag die Kamera mit zu nehmen, war ein voller Erfolg. Nicht nur die Kinder sind begeistert, auch mit den Erwachsenen kommen wir so ins Gespräch. Sie wollen wissen, was wir im Township machen. Viele verblüfft es, dass uns das lebendige Treiben in den Armenvierteln schlichtweg interessiert. Die meisten von ihnen hat die Suche nach Arbeit in die Hauptstadt getrieben. Zur Selbstversorgung dienende Farmen im Norden Namibias werden aufgegeben, nicht zuletzt weil das unfruchtbare Land dazu zwingt. Doch für die meisten Ankommenden sind die immer größer werdenden Slums am Stadtrand die Endstation. Nur in seltenen Fällen schaffen die Menschen den Sprung in einen der wenigen gut bezahlten Jobs in der Innenstadt. Warum also ausgerechnet wir freiwillig unsere Zeit in den Slums verbringen, können sie nicht verstehen.


Am liebsten würde ich die Bilder nehmen, die ich heute gemacht habe und ihnen den Grund dafür in ihren eigenen fröhlichen Gesichtern zeigen. Doch ich glaube, sie würden es selbst dann nicht verstehen. Auf jeden Fall aber werde ich die Bilder denjenigen zeigen, die sich in der Stadt hinter ihren Mauern verschanzen, zum Einkaufen das Auto nehmen und nicht ein einziges Mal im Township waren. Es gibt eine moderne Apartheid - und sie lebt.

Als wir uns verabschieden und wieder Richtung Innenstadt gehen, stehen die Kinder noch vor ihren Hütten und winken uns begeistert hinterher.

Lebensträume

Die Giraffe und der kleine Pavian waren beste Freunde. Es gab kaum einen Tag, den sie nicht gemeinsam verbrachten. Der kleine Pavian bewunderte die Giraffe für ihre langen Beine, so elegant konnte sie durch das hohe Gras traben. Meistens sprang er einfach auf ihren Rücken und ließ sich tragen. Die Giraffe bewunderte den Pavian für seine Einfälle. Durch sein Geschick hatten sie schon oft die entlegensten Wasserstellen gefunden, seltsame Früchte von Bäumen gepflückt und mit Steinen geöffnet. Die Wissbegier des kleinen Pavians schien unersättlich.

Kaum tauchten die ersten Sonnenstrahlen die Wiesen in braun-gelbe Farben, kam der Pavian auch an diesem Morgen zur Giraffe gelaufen. Als er sah, dass diese ihre Augen noch geschlossen hatte, griff er nach ihrem Schwanz, hangelte sich auf den Rücken, kletterte ihren langen Hals hoch und stellte sich auf ihren kleinen Kopf. „Wach auf Giraffe, ich will die Welt mit dir sehen!“, rief er und hüpfte aufgeregt von einem Bein auf das andere. Schlaftrunken öffnete die Giraffe ein Auge und blickte in das strahlende Gesicht ihres kleinen Freundes, der sich in diesem Moment vorbeugte. „Na los, lauf, Giraffe! Wofür hast du denn so lange Beine?“ Die Giraffe murrte, musste jedoch innerlich lachen. Sie liebte den kleinen Pavian. Ohne ein Wort zu sagen setzte sie sich in Bewegung, der Pavian sprang blitzschnell zwischen die beiden Hörner der Giraffe und klammerte sich daran fest. „Na los schneller! Nein nicht nach dahin, ich will mit dir ans Ende der Welt. Geh dahin, wo nur noch Steine sind, Giraffe!“ Die Giraffe gehorchte und drehte nach Rechts ab. Das vorbeigallopierende Pärchen riss andere Tiere aus dem Schlaf. Ein aufgescheuchter Strauß lief hastig aus dem Weg und schüttelte den Kopf.


Eine ganze Weile trabten die beiden durch die weite Landschaft. Als sie das Ende der Wiesen erreichten, stand die Sonne schon recht hoch am Horizont und es war warm geworden. Die Giraffe hielt inne. Auch der Pavian, der den gemütlichen Ritt durch die Sonne genossen und fast pausenlos auf die Giraffe eingeredet hatte, war jetzt still geworden. „Das hier ist das Ende der Welt, mein Freund“, sagte die Giraffe, „nichts als Steine, so weit ich blicken kann. Noch nie ist jemand aus unserem Stamm weiter gelaufen, als bis hierher.“

Es dauerte eine Weile, bevor der kleine Pavian antwortete. Doch dann sagte er mit bestimmter Stimme „Lauf weiter, Giraffe. Das hier ist noch nicht das Ende der Welt. Dort hinten kann ich einen Adler fliegen sehen“. Doch die Giraffe weigerte sich. Da sprang der kleine Pavian auf den Boden und fing an zu laufen. Die Giraffe zögerte. Noch nie war jemand weiter als bis hierhin gelaufen, das wusste sie. Wer es wagte würde sicherlich nie zurückkehren. Sie dachte an ihre Familie, die schattigen Bäume, die weiten Wiesen. Dann bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie musste den kleinen Pavian retten. Die Giraffe atmete einmal tief durch um sich zu beruhigen und lief los.

Der Pavian war schnell gewesen, die Giraffe konnte ihn schon nicht mehr sehen. Doch nachdem sie eine Weile gelaufen war, erblickte sie ihn plötzlich am Horizont. Er schien sich nicht zu bewegen, er saß einfach nur da. Die Giraffe lief jetzt umso schneller. Kurz bevor sie ihren Freund erreichte, erschrak die Giraffe. Sie erkannte, dass der kleine Pavian auf einem Felsvorsprung vor einer riesigen Schlucht saß. „Das Ende der Welt“, dachte die Giraffe und schluckte. Ängstlich näherte sie sich mit langsamen Schritten. Sie stand nun neben ihrem kleinen Freund, beide guckten in die endlose Weite der Schlucht. Dann drehte der kleine Pavian seinen Kopf nach oben und fragte „Hast du jemals etwas so schönes gesehen, Giraffe?“ Die Giraffe schwieg. Sie hatte ihre Angst vergessen. Für das, was sie mit ihren Augen sah, hatte sie keine Worte. Jetzt sprang der kleine Pavian auf. „Giraffe, erzähl mir was hinter der großen Schlucht liegt, du bist so groß, was siehst du?“. Die Giraffe blickte zu ihrem kleinen Freund, der sie mit erwartungsvollen Augen ansah.



„Ich sehe nichts, kleiner Pavian. Wir sind am Ende der Welt.“ „Das glaube ich nicht! Ich will mehr sehen!“, rief der kleine Pavian und war mit einem Satz auf dem Rücken der Giraffe. Er kletterte wieder bis auf den Kopf seiner Freundin. Doch auch er konnte von hier aus nicht das Ende der Schlucht erblicken. Der kleine Pavian gab sich damit nicht zufrieden. „Spring hoch, Giraffe. Wenn du ganz hoch springst, kann ich vielleicht sehen, was hinter der großen Schlucht liegt.“


„Halt!“, eine raue Stimme ließ die beiden Freunde zusammenschrecken. Unbemerkt hatte sich eine Schildkröte genähert und blickte zu dem ungewöhnlichen Pärchen auf. „Halt, ihr könnt hier nicht springen, das ist viel zu gefährlich. Ohnehin werdet ihr nichts sehen. Die Welt endet hier. Glaubt mir, ich wohne hier schon seit 120 Jahren. Hinter der Schlucht beginnt die Hölle. Wilde Kreaturen wohnen dort, sie kennen weder Freundschaft noch Liebe. Wer sich dorthin wagt, kehrt nie wieder zurück.“ Bei diesen Worten erschraken der kleine Pavian und die Giraffe. Plötzlich wurde ihnen bewusst, wie weit sie sich von ihrem zu Hause entfernt hatten. Der kleine Pavian spürte in diesem Moment, dass er Hunger hatte. „Geht. Lauft zurück nach Hause. Die Welt hier draußen ist nichts für euch“, raunte die Schildkröte leise aber bestimmt.



Doch ihn diesem Moment war ein Flügelschlag zu hören und ein Adler landete neben der kleinen Gruppe. „Glaubt der Schildkröte kein Wort“, sagte er ohne sich vorzustellen. Die drei guckten den Adler verdutzt an. „Die Schildkröte mag zwar schon 120 Jahre hier sein, doch hat sie keine Flügel. Am gefährlichsten ist die Weltanschauung derer, die sie nie gesehen haben.“


„Adler, warst du schon einmal hinter dem Ende der Welt?“, fragte der kleine Pavian vorsichtig. Immer noch fühlte er seinen kleinen Körper vor Angst zittern, doch die Worte des Adlers machten ihn neugierig. „Hinter dem Ende der Welt…pffft. Dann seht doch selbst. Ich habe doch nur versucht….Noch nie hat jemand…“, die Schildkröte beendete ihre Sätze nicht. Stattdessen drehte sie den anderen Tieren den Rücken zu und krabbelte kopfschüttelnd davon. „Erzähl mir, Adler, wie sieht die Welt dort hinten aus?“, drängte der kleine Pavian. Der Adler blickte der Schildkröte hinterher. Dann drehte der den Kopf und ließ seinen Blick über die Schlucht schweifen. „Weißt du, kleiner Pavian, dort hinten ist alles ganz anders. Es gibt Bäume, größer als Berge. Tiere schneller als der Wind. Wasser so viel, dass Elefanten darin schwimmen können. Ich habe Vögel getroffen, die noch viel weiter geflogen sind. Sie erzählen von Kälte, die den Körper lähmt. Von weißem Sand, der vom Himmel fällt. Die weite Welt ist nicht ungefährlich, kleiner Pavian. Du musst vorsichtig sein, wenn du dich dort hinaus wagst. Du musst vertrauen können und deine alten Erwartungen aufgeben. Nur dann schaffst du es da draußen nicht unterzugehen.“


Der Pavian und auch die Giraffe lauschten den Worten des Adlers gespannt. Noch immer war der Blick des Adlers in die Ferne gerichtet. „Ich mag deine Neugierde, kleiner Pavian. Es ist toll, wie du zu deinem Freund hältst, Giraffe. Ich habe euch schon eine ganze Weile aus der Luft beobachtet. Wisst ihr, zusammen könnt ihr es schaffen. Wenn ihr die Welt da draußen einmal gesehen habt, lässt sie euch nie wieder los. Vergesst nur für einen Moment eure Sorgen und Ängste und lauft los. Wenn ihr zurückkommt, seid ihr reicher als der König der Tiere und weiser als die Alten.“




Mit diesen Worten spannte der Adler seine Flügel auf und machte einen Satz nach vorne. Elegant ließ er sich in die Tiefe der Schlucht gleiten, machte einige Flügelschläge und war bald nur noch als kleiner Punkt am Horizont zu sehen. Der kleine Pavian rutschte am Hals der Giraffe hinunter und legte sich auf ihren Rücken. „Du, kleiner Pavian, meinst du es ist wahr, was der Adler sagt?“, fragte die Giraffe leise. „Vielleicht, ich weiß es nicht, Giraffe.“, antwortete der Pavian. „Es ist schön diesen Moment mit dir zu teilen“, fügte er hinzu und schmiegte seinen Kopf an das Fell seiner Freundin. Und so standen sie noch lange vor der großen Schlucht. Erst als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, machten sie sich langsam auf den Rückweg. Die Worte des Adlers verfolgten den Pavian. Er träumte von Bäumen größer als Berge, von einer fernen Welt, von einem großen Abenteuer. Er klammerte sich ein wenig fester an das Fell der Giraffe und wusste in diesem Moment, dass seine Träume wahr werden würden.

Am siebten Tag

"Gibt es vielleicht irgendetwas, das ihr sagen wollt. Vielleicht wer ihr seid und wo ihr herkommt? Das würde der Gemeinde viel bedeuten.“
Auf einem Hügel mitten in Okuryangara steht eine kleine Kirche. Sie ist vielleicht sechs mal zwanzig Meter groß und aus grauem Wellblech gebaut. Über dem Eingang hängt ein Schild mit der Aufschrift „Babilon Gospel Church“. Ringsherum stehen die Blechhütten der Einheimischen, in einem ausgetrockneten Flussbett spielen Kinder Fußball.




Okuryangara ist ein Township Windhoeks, nicht allzu weit von der Innenstadt entfernt. Es liegt noch hinter Katutura und ist ein Gebiet, in dem keine Städteplanung existiert. Scheinbar wahllos werden Tag für Tag neue Blechhütten für Zuwanderer aufgestellt, die Stadt wächst mit einem Tempo, das auch entwickelte Länder überfordern würde. Die Bilder habe ich dieses Mal nicht selbst gemacht - aus Respekt aber auch Angst war ich bisher nur ohne Kamera im Township unterwegs (Nachtrag: Die Fotos habe ich inzwischen durch eigene ersetzt. Siehe auch Blogeintrag "Die Kinder von Katutura").




Am Sonntagmorgen tragen die Einwohner Plastikstühle aus ihren Häusern in die Kirche. Steffen und ich stehen unschlüssig vor dem kleinen Gebäude, die Menschen gucken uns mit interessierten Augen an. Wir müssen nicht lange warten und ein Vertreter der Gemeinde kommt auf uns zu. Er bittet uns herein. Wir sollen uns doch nach ganz vorne setzen, sagt er, es sei toll, dass wir gekommen sind. Vorsichtshalber steuern wir auf eine der kleinen Holzbänke im hinteren Bereich der Kirche zu. Erst als die Bänke sich nach und nach füllen merken wir, dass um uns herum nur Männer sitzen. Für Frauen und Kinder ist die linke Seite der Kirche reserviert. Es ist staubig und warm im Inneren, durch einige kleine Fenster in den blechernen Wänden fällt Sonnenlicht herein.

Dann beginnt der Gottesdienst mit einem Lied auf Oshivambo. Da auch der Pastor Oshivambo redet, übersetzt ein Gemeindemitglied ins Englische. Nach dem Lied gibt der Pastor ein Zeichen, Fenster und Türen der Kirche werden geschlossen. Zu unserer Überraschung werfen sich die Kirchenbesucher auf den Boden. Sie fangen an wild durcheinander zu rufen, die Hände nach oben zu strecken, eine Stimme übertönt die andere. Nach drei Minuten wird es wieder still, eine Frau fängt an zu singen, die Gemeinde stimmt mit ein. Zwar verstehen wir die Liedtexte nicht, doch klingt der Gesang sehr ehrlich, die Menschen brauchen keine Liederbücher.

Es folgt ein langer Gottesdienst. Menschen gehen nach vorne, beten oder erzählen. Von ihrer Familie, ihrem Leben und der Gemeinde. Vor mir sitzt der junge Namibianer Peter, der sich immer dann zu mir umdreht und übersetzt, wenn nicht in Englisch geredet wird. Die Menschen erzählen davon, wie glücklich sie in der Gemeinde sind, dass sie ihnen Kraft gibt, Rückhalt in dem schwierigen Umfeld, Hoffnung in einer schwierigen Zeit. Verschiedene Gruppen stimmen Lieder an und führen Tänze vor. Zunächst die Männer, dann Frauen, danach die Kinder. Es ist eine ungewohnt lockere Atmosphäre. Irgendwann werden Namen ausgerufen und Post verteilt. Man sieht Frauen ihre kleinen Kinder stillen, während der Priester mit dem Bild einer Bibelszene durch die Reihen geht.

Als wir gefragt werden, ob wir nach vorne kommen wollen um uns vorzustellen, lehnen wir ab. In der nächsten Woche vielleicht. So viel zu erzählen wie die Einheimischen, haben wir ohnehin nicht. Ein Vertreter der Gemeinde übernimmt unseren Part. Er sagt, dass wir zwei Besucher aus Deutschland seien, diese Woche erst einmal gucken würden, nächste Woche dann vielleicht einen Teil zum Gottesdienst beitrügen. Die Gemeinde applaudiert um uns willkommen zu heißen.
Dann kommt ein Mann nach vorne, den sie „Vater“ nennen. Er ist schon so lange in der Gemeinde, dass er viele der Anwesenden seit ihrer Kindheit kennt. Er fängt an von seinen Erfahrungen zu erzählen und steigert sich so in seine eigenen Worte hinein, dass der Übersetzer irgendwann Mühe hat, schnell genug auf Englisch zu folgen.

Als wir später aus der Kirche kommen ist es bereits ein Uhr. Der Gottesdienst hat nahezu vier Stunden gedauert. Das macht deutlich, wie sehr die Religion im Mittelpunkt des Lebens vieler Afrikaner steht. Im Mittelpunkt eines Lebens, dass von Armut und Krankheiten geprägt ist. In diesem Kontext erscheint es umso unverständlicher, dass der Papst noch letzten Monat in das benachbarte Angola gereist ist und der Verhütung die Schuld am aktuellen Aids-Problem gegeben hat. Das „spirituelle Erwachen“, von dem das katholische Kirchenoberhaupt predigte, hat den Einwohnern hier bisher wenig geholfen. Was auch immer sich der Papst darunter vorstellt, vielleicht kommt es ja eines Tages.

Am heutigen Sonntag dagegen, tragen die Einheimischen ihre Plastikstühle wieder zurück in die umliegenden Hütten. Viele von ihnen werden jetzt in eine der kleinen Bars gehen, sich in die Sonne setzen und trinken. Die Bibel sage, man solle sonntags ein wenig Wein trinken. Was „ein wenig“ bedeutet, sei jedoch Ansichstssache, sagt ein Mann der auch Johannes heißt. Er hält sein Glas hoch und lacht.
Und ein Lachen nehme ich heute auch mit nach Hause. Denn trotz der widrigen Umstände, die das Leben der Einheimischen so schwer machen, begegnet man nirgendwo so unvoreingenommenen und fröhlichen Menschen wie hier.





Bis ans Ende der Welt

Schon meinen letzten Beitrag hatte ich fälschlicherweise „Bis ans Ende der Welt“ genannt. Jetzt in der Osterwoche war ich wirklich dort.

Auch im fünfzehnten Jahrhundert muss Bartolomeu Diaz bereits gewusst haben, dass er unter der südafrikanischen Küste so schnell nicht mehr auf Land stoßen würde. Als der Portugiese merkte, das Ende des afrikanischen Kontinents erreicht zu haben, gab er dem südwestlichsten Punkt den Namen Kap der Stürme – heute bekannt als Kap der guten Hoffnung. Als wir am Kap stehen und uns fragen, welche Landmasse südlich hinter dem Horizont liegt, kommt niemand auf Alaska. Doch in der Tat ist das unendlich weit entfernte Alaska die nächste große Landmasse hinter dem Südpol. Die Erde ist eben doch eine Kugel.

Der Punkt, den Diaz in die Weltkarte einzeichnet ist von nun an Ausganspunkt für die Eroberungszüge der europäischen Kolonialmächte. In den folgenden fünfhundert Jahren dringen zunächst die niederländische Buren und dann Briten in weite Teile Südafrikas und des heutigen Namibias vor. Eingeborene werden verdrängt, die Apartheid ist geschaffen.
Zeitgleich entwickelt sich die einstige Anlaufstelle am Kap zu einer der lebendigsten und faszinierendsten Städte des südlichen Afrikas. Kapstadt. Das alles gehört keineswegs zu meiner Allgemeinbildung, doch Reisen bildet.


Ich verbringe Ostern in einem Land, das mich eigentlich nie interessiert hat. Südafrika, ein weit entwickeltes Land ohne afrikanischen Charakter? Reiche Touristen, globalisierte Städte? Es stimmt, Kapstadt ist modern und international. Aber zu Recht zieht es den Besucher gerade deswegen so in den Bann.
Insgesamt eine Woche verbringen wir in einem Backpacker mitten in der Innenstadt. Abends ist viel los in den Straßen, Menschen ziehen von Bar zu Bar, Bands sorgen für Live-Musik. Es herrscht eine für afrikanische Verhältnisse überraschend entspannte Atmosphäre. Einige bettelnde Kinder wühlen sich mit eschreckender Routine durch die Menge und gehen gezielt auf die reichen Touristen zu. An jeder zweiten Straßenecke stehen Männer, die uns Drogen anbieten. Doch eine Großstadt ohne Armut und Kriminalität gibt es wohl nirgendwo auf der Welt.
Tagsüber schlendern wir über die großen Märkte, auf denen Einheimische ihr Handwerk verkaufen. Etwa Tiere aus Holz, Spielzeugautos aus alten Coladosen, oder bunte Gemälde. Endlich kann wieder gehandelt werden.

Am Ostermontag besteigen wir den Tafelberg, dessen markante Erscheinung eindeutig mit in das Stadtbild gehört, da er unmittelbar hinter dem Zentrum in den Himmel ragt. Das Klima zwingt uns zu vielen kleinen Pausen während des gut dreistündigen Aufstieges. Doch der Ausblick lässt Erschöpfung und Verzweiflung schnell vergessen. Eine 360°-Drehung offenbart einen Blick über die Weiten des Atlantiks, die bergige Landschaft des Kaps und beinahe bis hin zum nahen indischen Ozean. Vor uns erstreckt sich das Stadtgebiet, dessen Dimensionen erst von hier oben ersichtlich werden. Nicht weit vor der Küste liegt Robben Island, die Insel, auf der Nelson Mandela einen Großteil seiner 27-jährigen Gefängnisstrafe absaß, bevor er 1994 Präsident Südafrikas wurde.




Mittwochs folgt eine besondere Begegnung, die uns bewusst macht, dass wir nicht in Europa sind. Wir sind mit zwei Autos am Kap unterwegs, als eine alte Lötverbindung am Auspuff des einen Wagens bricht und selbiger über den Teer schleift. Als wir anhalten um den Schaden zu begutachten, werden wir von einem Mann beobachtet, der am Straßenrand steht. Noch bevor wir einen Beschluss fassen können, gesellt er sich zu uns und legt sich unter das Auto. Aus der Tasche zieht er einen Draht, aus dem er sonst wahrscheinlich eine Giraffe oder ein Spielzeugauto gebogen hätte. Aus einem naheliegenden Dorf nähern sich weitere Einheimische und schon bald liegen drei Männer unter dem Wagen. Der Draht alleine reicht nicht, die Männer holen ein Eisenrohr aus dem Dorf, dass sie passend zurechtsägen. Mit dem Rohr wird die Bruchstelle stabilisiert, eine aufgeschnittene Coladose wird darumgewickelt und mit dem Draht befestigt. Mittlerweile packen sechs Männer mit an. Verwundert über die beispiellose Hilfsbereitschaft stehen wir daneben. Eine Viertelstunde später sind die Männer mit ihrer Arbeit zufrieden. Als Dank können wir ihnen nur ein wenig Geld und die Tüte Äpfel anbieten, die wir im Auto hatten. Das ist Afrika.




Nur so können wir unseren Weg direkt fortsetzen und schaffen es abends noch nach Simon’s Town. Um den Streifzug durch die Tierwelt der letzten Wochen perfekt zu machen, sehen wir hier eine Pinguinkolonie. Nirgendwo sonst auf der Welt, wagen sich die kleinen Tiere so nah an die Menschen heran. Hier leben sie an einem geschützten Strand direkt an der Stadt.


Die Woche ist schnell um, die Busfahrt zurück nach Windhoek dauert 23 Stunden. Mitten in der Nacht kommen wir an die Grenze. Der Beamte an der Passkontrolle starrt konzentriert auf seinen Bildschirm, er kämpft offensichtlich damit seine Augen offen zu halten. Ein anderer verwendet seine gesamte Konzentration darauf Orangensaft aus einem Kanister in eine Flasche umzufüllen. Nachts läuft auch hier alles ein wenig langsamer. Jugendliche Zivilbeamte mischen sich in die Gruppe und kontrollieren stichprobenartig die Gepäckstücke. Dann wird unser Pass gestempelt und wir abgetastet. Welkom terug by Namibië. Ein toller Urlaub geht vorbei, der doch irgendwie keiner war. Zwar erwartet mich jetzt wieder die Arbeit, doch Alltag ist Afrika noch lange nicht.


Ab in die Wüste

Mittlerweile hat schon meine sechste Arbeitswoche hier in Namibia begonnen. Der tägliche Weg zur Arbeit ist noch nicht langweilig geworden und wie vielfältig das Land um Windhoek herum ist, wird mir nach und nach immer bewusster. Am Wochenende habe ich mich mit Steffen und Fred auf den Weg zur Küste gemacht.
Mit einem kleinen Mietwagen fahren wir vier Stunden gen Osten. Die Fahrt über die schmale, mit unzähligen Schlaglöchern gespickte, Straße hätten sich die Autoren der Geographie-Lehrbücher nicht besser erdenken können. Zunächst ist die Landschaft entlang des Trans-Kalahari Highway noch recht grün, überall stehen Büsche und kleine Bäume. Doch nach und nach wird es immer eintöniger. Wir kommen an einem Schild vorbei, das einen Baum ankündigt. Und tatsächlich steht einen Kilometer später ein einzelner Baum am Straßenrand, unter dem wir kurz Pause machen können. Danach verschwindet jegliche Vegetation und es wird so heiß, dass wir freiwillig auf längere Pausen verzichten. Bis zum Horizont sehen wir nichts als Staub und Felsen. Keine Stunde später, kurz vor der Küste, kühlt es wieder merklich ab.






In Swakopmund machen wir einen Zwischenstopp, einige Einheimische eilen auf und zu und bietet an auf unser Auto aufzupassen, während wir zum Strand gehen. Da sie weit und breit die einzigen Menschen sind, haben wir eigentlich keine großen Bedenken, dass dem Fahrzeug in unserer Abwesenheit etwas passieren könnte, doch die Männer lassen nicht mit sich reden – sie passen auf. Und tatsächlich, als wir 5 Minuten später wiederkommen, ist der Wagen wie versprochen unversehrt. Gut, dass die Männer aufgepasst haben. Sie freuen sich über die 20 Cent, die sie dafür bekommen.
Von Swakopmund bis nach Walvis Bay (Walfisch-Bucht) ist es nicht weit. Doch diese letzten 30 Kilometer sind spektakulär. Links neben uns tauchen die ersten Sanddünen der Wüste Namib auf, während rechts die Wellen des Atlantiks stranden. Ein bizarrer Anblick. In Walvis Bay werden wir von Captain Mansur begrüßt, der sich nicht nur so nennt, sondern wirklich einen Frachter durch die Ozeane manövriert. Captain Mansur kommt aus Pakistan und ist per Schiff unterwegs, seitdem er 19 Jahre alt ist. Über Couchsurfing hatte ich Kontakt zu ihm aufgenommen und somit können wir kostenlos in Walvis Bay übernachten, wo der Kapitän zur Zeit ein kleines Haus hat. Walvis Bay wirkt verlassen und dafür, dass es Namibias zweitgrößte Stadt ist, sehr klein. Aber genau wie in Windhoek existieren scheinbar auch hier zwei parallele Welten. Die kleine moderne Innenstadt und weiter außerhalb die riesigen Slums.

Sehr komfortable Couchsurfing-Unterkunft in Walvis Bay



Inzwischen ist es später Nachmittag. Mit dem Auto fahren wir einige Kilometer in die Namib. Hier steht Düne 7, die größte Sandformation im Umkreis. Vor der Düne stellen wir das Auto ab, passend zum Sonnenuntergang wollen wir oben sein. Schnell noch die Schuhe ins Auto, Klappe zu…Und damit ist das Auto sicher verschlossen, leider samt Schlüssel. Die Sonne droht hinter der Düne zu verschwinden, meine Vorfreude auf den gemütlichen Abend versinkt davor. Doch einige Meter entfernt sitzen einige Afrikaner um ein Lagerfeuer. In meiner Verzweiflung frage ich nach Hilfe und entfache damit einen Wettstreit unter sechs Männern, die zeitgleich versuchen mit Drähten und Schraubenziehern in das Fahrzeug einzudringen. Lange verzweifeln sie am jungen Baujahr des Wagens, doch irgendwann springt die Fahrertür auf, ein Jubelschrei geht durch die Menge. Die Männer setzen sich wieder an ihr Feuer, ich schnappe mir den Schlüssel und spurte in Richtung Düne. Zwanzig Minuten später erreiche ich die Kuppe, wo Fred und Steffen schon auf mich warten. Gerade noch rechtzeitig. Was folgt ist der wohl beeindruckendste Sonnenuntergang, den wir je erlebt haben. Vor uns liegt die unendliche Sandlandschaft der Namib, die von der Sonne in rötliche Farben getaucht wird. Verzaubert von der einmaligen Atmosphäre genießen wir den letzten Sommerabend diesen Jahres, denn heute werden die Uhren in Namibia auf Winterzeit umgestellt. Aber von Winter ist nichts zu spüren, wir liegen noch im warmen Sand, als die Sonne schon längst weg ist und der Mond über den Dünen leuchtet. Was für ein Tag.


Oben angekommen


Doch das ist nicht alles, was die kleine Küstenstadt zu bieten hat. Am nächsten Morgen fahren wir in die nur wenige Hundert Meter entfernte Lagune. Die Lagune von Walvis Bay ist die wichtigste Anlaufstelle für Vögel im südlichen Afrika und besonders bekannt für die unzähligen Flamingos. Wieder einmal zeigt sich ein abstruses Bild. Als wir mit dem Auto über einen Schmalen weg weiter auf den Landzipfel hinausfahren, sehen wir auf der einen Seite die Flamingos im Wasser, hinter uns die hohen Dünen der Namib und auf der anderen Seite eine schneeweiße Landschaft. Auf einer Fläche von 3500 Hektar wird hier das Salz Südafrikas gewonnen. Wir fahren weiter, bis der feste Weg aufhört und ein Weiterkommen ohne Allradantrieb unmöglich ist. Kaum sind wir ausgestiegen und einige Meter am Strand entlanggegangen, springt direkt vor uns ein Seelöwe aus den Wellen. Es folgen drei weitere. Wir sehen uns an und müssen lachen. Dass wir noch vor 14 Tagen zusammen im nicht allzu weit entfernten Harnas zwischen Löwen, Zebras und Pavianen übernachtet haben, kommt uns jetzt völlig irreal vor.

Entwicklungszusammenarbeit

Arbeit, die scheinbar längst überfällige Kategorie in meinem Afrika-Blog. Niemand von euch hat sich danach erkundigt, wie die Menschen hier in Namibia sind, wie das Essen schmeckt oder wie das Wetter ist. Wahrscheinlich, weil ich einfach davon erzählt habe. Stattdessen kamen unzählige Fragen nach meiner Arbeit (zwei oder drei). Stimmt, ich bin zum Arbeiten hier. Ohne das Praktikum wär ich wahrscheinlich nie in Namibia gelandet, ohne mein Praktikantengehalt wahrscheinlich sogar nie in Afrika.

6:30 Die Hunde fangen an zu bellen, mein Wecker klingelt. Neuerdings haben die Nachbarn eine Ziege, die anfängt zu meckern, wenn die Hunde bellen.

7:00 Die Sonne geht auf und scheint durch das Küchenfenster meiner Einzimmerwohnung. Vom Frühstückstisch aus sehe ich, wie die Vermieterfamilie das Haus verlässt. Ich habe es nicht weit und kann mir deswegen Zeit lassen. Durch das hügelige Windhoek West geht es zu Fuß ein paar Straßen stadteinwärts, es ist schon herrlich warm. Ich bin nicht der einzige, der um diese zu Fuß unterwegs ist. Aus allen Straßen kommen Studenten, viele sind schick angezogen und tragen Taschen oder Aktenordner unterm Arm. Nach nur 5 Minuten bin ich am GTZ Office.

8:00 Ich klingel am Eingangstor und Nande lässt mich herein. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Das Gebäude hier ist eines der 92 Länderbüros der GTZ weltweit. Insgesamt über 12.000 Mitarbeiter arbeiten für die Gesellschaft technischer Zusammenarbeit. Eine Bezeichnung, hinter der man nicht gerade Entwicklungszusammenarbeit vermutet. Dabei ist die 1974 gegründete Gesellschaft Deutschlands größte Organisation in diesem Bereich. Die GTZ arbeitet zwar unabhängig, bekommt aber fast ausschließlich von der Bundesregierung ihre Aufträge.



Ich gehe um das Gebäude herum einige Treppenstufen hinunter. Helena und Christina sitzen schon an ihren Schreibtischen in unserem kleinen Eckbüro. An der Wand hängt eine riesige Landkarte Namibias. Die Karte zeigt viel freie Fläche und einige Städte, die sich vor allem auf den Westen und Norden des Landes konzentrieren. Sie zeigt ein Land, das wie schon erwähnt, ein Land voller Gegensätze ist. Dem relativ hohem Entwicklungsstandard stehen der Gini-Koeffizient von 0.6, die Arbeitslosigkeit von 36% und der Prozentsatz der Einwohner mit einem Tagesbudget von weniger als einem US$ (40%) gegenüber. Diese Zahlen sind Ausgangspunkt für die Aktivitäten unseres PEG-Teams (Partnership for Economic Growth – Zusammenarbeit für wirtschaftliches Wachstum). In Namibia hat die GTZ vielleicht 20 Mitarbeiter, die beratend in verschiedenen Projekten mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten. Namibia ist erst seit 19 Jahren ein unabhängiger Staat, viele für uns selbstverständliche Abläufe und Prozesse sind hier völlig neu.

8:30 Ich setze einen Kaffee auf, bevor ich mich an die Recherche mache. Wie viele Unternehmen gibt es in Deutschland? In welchen Bereichen, wie groß sind sie, welche Produkte werden hergestellt? Ich habe keine Ahnung, doch auf irgendeinem Papier in Deutschland existieren diese Zahlen. Hier in Namibia nicht. Zur Zeit wird der erste große Zensus durchgeführt, eine Volkszählung für Unternehmen, bei der Statistiker von Unternehmen zu Unternehmen gehen und Interviews durchführen. Demnach wird bald zum ersten Mal eine Zahl veröffentlich werden können, man wird wissen wo in Namibia es welche Unternehmen gibt. Ein aufregender Fortschritt für lokale Wirtschaftler und Politiker. Doch was macht man mit diesen Daten, wenn man sie erst einmal hat? Diese Fragestellung wird mich vier Monate begleiten, vielleicht kann ich in einem abschließenden Bericht einige Antworten präsentieren.

10:30 Vor meinem Fenster steht ein Zitronenbaum, seit zwei Wochen sind die Früchte reif. Durch die Bürotür, die immer offen steht, blicke ich auf eine Palme. Es ist mal eine ganz andere Büroatmosphäre, eine sehr angenehme. In diesem Moment kommt Harald herein, mein Chef. Wir besprechen den Vorbereitungsbedarf für das diesjährige Wirtschaftsforums, auf dem internationale Sprecher Themen rund um die regionale Wirtschaftsentwicklung erörtern sollen. Bisher sind weder die Referenten gefunden noch die Teilnehmer eingeladen. Es fehlen noch das Logo für die Veranstaltung, die Finanzierung und auch die Presse muss irgendwann informiert werden. Ein zweiter großer Aufgabenbereich für mich.

13:00 Eine Stunde Mittagspause. In Windhoek gibt es viele gemütliche Restaurants und Cafès mit Innenhöfen oder Gärten. Die Preise erlauben es, fast jeden Tag Essen zu gehen. Aber auch das mitgebrachte Brot lässt sich im Schatten der Bäume neben dem Büro sehr gut geniessen.
14:00 Den Nachmittag widme ich meinem dritten großen Aufgabenbereich. Dem Budget der Städte. Wie viel Geld steht den Städten zur Verfügung, woher kommt es? Wofür wird es wieder ausgegeben? Auch für die Beantwortung dieser Fragen habe ich vier Monate Zeit und darf die Resultate abschließend präsentieren.

17:00 Um fünf Uhr muss ich mich beeilen, dass ich das Büro verlasse bevor der Haupteingang verriegelt wird. Zu Fuß gehe ich wieder zurück durch die hügeligen Straßen. Taxen fahren vorbei und hupen. Hinter mir liegt ein sehr angenehmer Arbeitstag. Die Atmosphäre im Büro ist locker und meine Aufgaben sind spannend. Ich lerne viel über das gesamte Land und kann sogar das Gefühl haben ein klein wenig zur Verbesserung der aktuellen Situation beizutragen.

Going wild

An diesem Wochenende haben wir uns in zwei Autos gezwaengt und sind nach Harnas gefahren - eine Auffangstation fuer verwaiste Tiere einige Stunden oestlich von Windoek. Ueber die einzige Strasse die ostwaerts fuehrt fuhren wir endlos geradeaus und mussten aufpassen wenn Warzenschweine, Strausse oder Paviane die Strasse ueberquerten.
Es war ein Wochenende voller Eindruecke. Gefallen hat mir nicht nur die Entdeckungsreise durch die afrikanische Tierwelt, sondern auch die tolle Atmosphaere in unserer Gruppe, die immerhin aus dreizehn Pratkikanten und Studenten bestand. Manchmal sagen Bilder mehr als Worte.



Camping


Grosses und kleines Erdmaennchen


Strauss





Keine Gefahr fuer die Antilopen, die Loewen leben vor ihrer Auswilderung in eingezaeunten Gehegen

Pavian auf Baum bei Sonnenuntergang


Eines unserer Autos mit Dachzelten



Abends am Lagerfeuer